“Hilfe, ich habe Geld”, titelte die Zeitschrift FINANZtest ihre Anlage-Tipps für das Geld aus einer fälligen Lebensversicherung. Jedes Jahr werden ca. 3,5 Millionen Versicherungsverträge ausbezahlt und oft trifft viele der Augenblick der Wahrheit unvorbereitet, obwohl sie schließlich jahrelang in die Lebensversicherung einbezahlt haben. Was also tun mit dem Geld?
Nicht zu schnell entscheiden
Fragt man die Versicherungsgesellschaften, ist eine Verrentung des Kapitals die beste Lösung, da sie schließlich zusätzliche Provisionen für den neuen Vertrag kassieren, doch von dieser Möglichkeit ist abzuraten: Die Rendite ist sehr mager, es werden 18% Steuern auf die Rente fällig und im Todesfall ist das Geld meistens ganz verloren. Aber nicht nur die Versicherung, sondern auch die Banken würden sich gerne “um Ihr Geld kümmern” - auch sie bieten Ihnen eine monatliche Rente, die durch einen sogenannten Bankauszahlplan bewerkstelligt wird. Der Unterschied dabei ist, dass die Banken im Vergleich zu den Versicherungen nicht garantiert so lange zahlen, wie der Kunde lebt.
Generell sollte man sich, nachdem die Versicherung ausbezahlt wurde, nicht zu schnell von irgendjemandem zu einer Anlageform drängen lassen. Um sich etwas Bedenkzeit einzuräumen, kann man den Betrag auch kurzfristig auf einem Tages- oder Festgeldkonto “parken”, um in dieser Zeit ein paar mehr Zinsen als auf dem Girokonto abschöpfen zu können. Des Weiteren ist es wichtig, sein Geld zu streuen, das heißt, auf verscheidene Anlageformen zu setzen, bzw. auch nicht nur eine Aktie und ein Zinspapier zu kaufen.
Für die Sicherheit
Um sich ein wenig Sicherheit zu verschaffen, sollte man zumindest einen Teil des ausbezahlten Geldes in Zinspapieren anlegen. Banken bieten z.B. Zinspapiere, wie Sparbriefe, Festzins- oder Wachstumssparbücher an, bei denen der Käufer eine gewisse Summe anlegt, dafür Zinsen und am Ende der vereinbarten Laufzeit auch sein Geld wieder bekommt. Ebenfalls eine sichere Anlageform sind Anleihen, wie z.B. Bundesanleihen, die auch auf eine gewisse Zeit zwischen ein und zehn Jahren angelegt werden. Dabei sollte man je nach Anlagehöhe beachten, Anleihen verschiedener Laufzeiten zu mischen.
Zur Spekulation
Natürlich bieten Aktien bei richtiger Anlage höhere Renditen als irgendeine andere Lösung. Dennoch gibt es einige Punkte zu bedenken: Je mehr Zeit man noch bis zur Rente hat, desto eher kann man auch auf Aktien setzen, denn mindestens 5 Jahre sollte man Zeit für Aktien haben, am besten sogar 10 oder 20. Und je höher der Auszahlungsbetrag der Lebensversicherung war, desto eher hat man natürlich etwas zum Spekulieren “übrig”. Der dritte Faktor ist der individuelle Anlagetyp - generell sollte man jedoch den Grundsatz des Anlage-Mix beachten und sein mühsam Erspartes nicht auf eine Karte setzen.
Kauf einer Immobilie
Hat man eine größere Summe überwiesen bekommen, könnte sich eventuell auch die Investition in eine Immobilie lohnen. Der Wert einer Immobilie wächst im Normalfall beständig - bewohnt man die Immobilie selbst, spart man sich jetzt und vor allem im Alter die monatliche Mietzahlung; vermietet man die erworbene Immobilie, weil man z.B. schon ein Eigenheim hat, sind die zusätzlichen monatlichen Mieteinnahmen eine tolle Rentenerhöhung. Wichtig ist, dass man mindestens ein Fünftel des Kaufpreises als Eigenkapital einbringen kann und dass das Darlehen bis zum Renteneinstieg getilgt ist.
Sollte man aber zum Beispiel selbst noch Schulden auf einer Immobilie haben, ist es oft ratsam, mit dem ausbezahlten Geld diese Schulden zu tilgen - denn wer wünscht sich nicht, im Alter schuldenfrei zu sein?
Tipp
Lassen Sie sich also Zeit, holen Sie möglichst viele Angebote zu den einzelnen Möglichkeiten ein und setzten Sie auf einen Mix aus sicheren und risikobereiten Anlageformen.
(Quelle: ddp, FINANZtest)
